RW3-St

Der Liederbacher Rüstwagen RW 3-St von 1965 bis heute

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Technische Daten:

Fahrgestell: F Magirus 200 D 16 A
Besatzung: 1/5
Leistung: 200 PS
Hubraum: 12.667 cm³
Höchstgeschwindigkeit 76 km/h
Zul. Gesamtgew.: 16 t
Wendekreis: 19,2 m
Lichtmast: 4500 W
Spill: 15 t
Generator: 24 kVA
Ausrüstung: ca. 400 Teile

Fahrzeuggeschichte des Liederbacher Rüstwagens RW 3-St

Bedingt durch eine zunehmende Anzahl von Einsätzen im Bereich der technischen Hilfeleistung entstand in den sechziger Jahren das Bedürfnis nach leistungsfähigen Geräte- und Rüstwagen, die in Kombination mit Kranwagen eingesetzt werden sollten.

Nahezu zeitgleich wurde bei den Feuerwehren Frankfurt/Main und München in Zusammenarbeit mit Magirus das Konzept eines „Rüstwagens“ entwickelt, daß an die der vor dem Krieg entwickelten „Großen Rüstkraftwagen“ (GRK) anzuknüpfen versuchte. So bestellte dann auch die Feuerwehr Frankfurt, als erste am 8. März 1965 einen Rüstwagen der Größe 3 mit Staffelbesatzung.

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Das Fahrzeug auf Fahrgestell F Magirus 200 D 16 A mit einer 15 t Spillwinde, einem 24 kVA Generator einem pneumatischen Lichtmast mit drei Scheinwerfern je 1500 W wurde am 25. Februar 1966 – ohne Beladung – ausgeliefert. Alle Lagerungsvorrichtungen im Fahrzeug – für immerhin ca. 380 Teile – wurden erst anschließend von der BF Frankfurt selbst montiert. Für die Feuerwehr Frankfurt sollten noch zwei nahezu baugleiche Fahrzeuge folgen – die im August und Oktober 1966 ausgeliefert wurden. Der zuerst ausgelieferte Rüstwagen diente hierbei als Montagemuster und wurde eigens dafür im April 1966 „leihweise“ zur Fotodokumentation wieder nach Ulm gefahren. Bei dieser Gelegenheit wurden insgesamt 29 verschiedene Veränderungen bzw. Korrekturen am Fahrzeug vorgenommen, die aufgrund erster Einsatzerfahrungen mit dem Musterfahrzeug gewonnen wurden. Ab ca. Mai 1966 versah das Fahrzeug mit dem Kennzeichen F – 241 und der internen Bezeichnung RW 3 – 1 seinen regulären Dienst auf der Feuerwache 1 und später auf den Wachen 3 und 7.

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Einer der ersten Großeinsätze führte alle drei Fahrzeuge am 17. November 1966 nach Liederbach – genauer gesagt nach Oberliederbach: Ein frontaler Zusammenstoß zwischen einem voll besetzten Personenzug mit Tenderlok und einem Triebwagenzug forderte 7 Tote und 80 z.T. Schwerverletzte, umfangreiche technische Hilfeleistung – u.a. mit mehrstündigen Schweißarbeiten – war gefordert. Die Anfahrt zur Einsatzstelle über durch anhaltenden Regen aufgeweichte Wiesen und Äcker sollte sich als nachhaltiges technisches Problem erweisen: Die Fahrzeuge brachen in den Wiesen ein und konnten sich nur mühsam selbst befreien.

Der damalige Chef der Berufsfeuerwehr Achilles monierte, daß die „geländegängigen allradgetriebenen Fahrzeuge nicht voll befriedigen konnten“ und daß „die Herstellerfirmen hinsichtlich der Bereifung nicht die Wünsche der Feuerwehren erfüllen“ konnten. Herr Dipl.-Ing Hornung – damals Leiter der Versuchsabteilung – mußte sich persönlich um das Problem kümmern und nach Frankfurt anreisen.

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Mit verschiedenen Reifen (von Sahara-Ballon bis Pfeilprofil-Militärreifen) wurden Testfahrten auf einer Wiese durchgeführt. Nach ca. 20 m steckten die Fahrzeuge aber in der zuvor vier Stunden gewässerten Wiese (das erfuhren die Testfahrer erst hinterher) fest. Als Ergebnis blieb festzuhalten, daß „Michelin XL im Dreck am besten war“. Wie es die Tücken der Technik nun einmal in sich haben, stellte sich später auf Blaubasalt in der Stadt heraus, daß die Fahrzeuge bei Alarmfahrt kaum auf der Straße zu halten waren. Schließlich wurden die Blockprofile von Michelin als Kompromiß sehr fein von Hand „gesommert“. Das immer noch nicht zufriedenstellende Fahrverhalten führte dann dazu, daß Überlegungen angestellt wurden, auf die „Vorderachse mehr Gewicht zu bringen“. Folglich wurde – wieder am Musterfahrzeug – das Reserverad vor der Motorhaube in einer speziell angefertigten Halterung – mit immerhin 275 kg Gewicht – angebracht. Zumindest für die Dienstzeit auf der Feuerwache 3 ist dies durch Fotos dokumentiert – und auch noch heute verfügt der Fahrzeugschein über eine entsprechende Eintragung.

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Im Dienst der Feuerwehr Frankfurt sollten noch viele Einsätze folgen – von denen heute die zahlreichen Gebrauchsspuren zeugen. Nach genau 15 Jahren Dienstzeit standen im Jahr 1981 die Frankfurter Rüstwagen zur Ausmusterung bereit. Durch einen Angehörigen der Feuerwehr Liederbach-Niederhofheim – zugleich Berufsfeuerwehrmann in Frankfurt konnte der RW 3 (das Musterfahrzeug mit dem Kennzeichen F 241) vermittelt werden. Der Verein der Feuerwehr Liederbach Niederhofheim kaufte das Fahrzeug, sodaß es am 23. Februar 1981 überführt und am 10. April 1981 Indienstgestellt werden konnte. Ende der achtziger Jahre erfolgte eine grundlegende „Renovierung“ des Rüstwagens, die auch eine Umlackierung von Tageleuchtfarbe (RAL 3024- war nur mit Sondergenehmigung zulässig) auf Normalrot (RAL 3000) zur Folge hatte.

Anläßlich des dreißigjährigen Geburtstages und dem damit verbundenen Magirus – Eckhauber Treffen für Feuerwehrfahrzeuge im Jahr 1995 in Liederbach wurde erneut eine gründliche technische Überholung vorgenommen und auch die Halterung des Ersatzrades wieder rekonstruiert.

Als sich im Jahr 2000 bei einem Einsatz ein irreparabler Getriebeschaden an der Seilwinde einstellte, wurde das Ende der „aktiven Dienstzeit“ eingeläutet. An Himmelfahrt 2001 konnte die Feuerwehr Liederbach einen neuen Rüstwagen RW 2 Indienststellen und somit den RW 3 in den wohlverdienten Ruhestand schicken.

Nunmehr von den Kameraden des Vereins der Feuerwehr Liederbach übernommen nahm der Rüstwagen auf Einladung u.a. an den Feierlichkeiten zum 150 jährigen Bestehen der Berliner Feuerwehr im Juni 2001 teil: Nach einem Fahrzeugkorso quer durch Berlin und einer Ausstellung am Potsdamer Platz erhielt er den Titel „Ehrenfahrzeug der Berliner Feuerwehr“ verliehen.

Als es im März 2002 zu größeren technischen Schwierigkeiten mit dem neuen Rüstwagen der Liederbacher Feuerwehr kam, mußte kurzerhand ein Ersatzfahrzeug gefunden werden – was lag da näher als den rüstigen alten Rüstwagen wieder zu aktivieren ? So wurde kurzerhand die Ausrüstung vom neuen Rüstwagen RW 2 soweit als möglich auf den RW 3 umgeladen und das Fahrzeug wieder zugelassen. Nach ca. vier Wochen im Einsatzdienst kam dann der – vorläufig endgültige – Abschied in den Ruhestand.

Der RW3 sollte nunmehr erhalten werden – als Technikdenkmal mit allen Gebrauchsspuren, die von einem arbeitsreichen Leben als Feuerwehrfahr-zeug erzählen. Aufgrund der Fahrzeuggröße gestaltete sich dies aber schwieriger als zunächst vermutet: die Unterbringung erfolgte in verschiedenen Scheunen und sogar im Freien.

Im März 2009 konnte schließlich mit Unterstützung des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr Liederbach e.V. eine Zulassung mit Historischem Kennzeichen erfolgen. Und seit Sommer 2010 gewährt der Frankfurter Feuerwehrgeschichts- und Museumsverein (FGMV) dem Rüstwagen als Großexponat Obdach in der ehem. Feuerwache 4 in Frankfurt-Bockenheim. Somit schließt sich der Kreis dieser einmaligen Frankfurt-Liederbacher Feuerwehrtechnik – Geschichte, die mit dem 50sten Geburtstag des Fahrzeuges im Jahr 2015 einen vorläufigen Höhepunkt finden wird.

Die Erhaltung, die Unterbringung und der sichere Betrieb des Fahrzeuges verursachen weiterhin Kosten. Wenn Sie bereit sind, uns hierbei zu unterstützen, bitten wir Sie um eine finanzielle Spende. Vielen Dank !

Weitere Informationen zum historischen RW3 finden Sie auf der Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr Liederbach.

Spendenkonto IBAN: DE50 5125 0000 0057 0054 59
Eine Spendenquittung kann ausgestellt werden.

Ansprechpartner: Dirk Henning
Email: dirk.henning@feuerwehr-liederbach.de
Tel. 0171 4813549